Unsere Kinos
Über 100 Jahre Kino in Sprendlingen
Politische Systeme kommen und gehen, Moden ändern sich, die Technik sowieso. Eines bleibt: der Wunsch, ein paar Stunden aus dem Alltag auszusteigen, abzuschalten und gemeinsam zu staunen. Seit 1920 erfüllen wir diesen Wunsch in Sprendlingen – in vierter Generation, in derselben Familie.
1920: Das Viktoria-Theater
Der Sprendlinger Elektriker Philipp Ebert und seine Frau Katharina bewiesen Pioniergeist: 1920 eröffneten sie an der Offenbacher Straße das „Viktoria-Theater“. Er kümmerte sich um die Technik, sie um Kasse und Organisation. Bei Stummfilmen mit Klavierbegleitung vergaßen die Sprendlinger die Sorgen der Weimarer Jahre. Das Kino mit rund 250 Plätzen und Balkon überstand auch den Zweiten Weltkrieg. Heinz Rühmann, Hans Albers und Zarah Leander flimmerten über seine Leinwand, nach dem Krieg kamen Charlie Chaplin, Dick und Doof und Clark Gable in „Vom Winde verweht“.
1952: Das Rex kommt dazu
Dann begann die ganz große Zeit des Kinos. Am Ostersamstag 1952 eröffnete Philipp Ebert nur wenige hundert Meter entfernt ein zweites Haus: das Rex, mit 375 Plätzen und ebenfalls einem Balkon. Garderobiere, Platzanweiserin und Eisverkäuferin sorgten für den Rundum-Service, vor jedem Hauptfilm lief die Wochenschau. Auf dem Programm standen Heimatfilme wie „Grün ist die Heide“, Monumentalfilme wie „Ben Hur“ und Klassiker wie „12 Uhr mittags“.
1961: Die zweite Generation
1961 übernahmen Eberts Tochter Erna und ihr Mann Adolf Kreisel die beiden Kinos. Adolf Kreisel war stadtbekannter Lehrer – sein Motto: „morgens Schule, mittags Kino“. Es war die Zeit, in der James Bond zum ersten Mal ermittelte, Louis de Funès für Lachsalven sorgte und Bud Spencer und Terence Hill alles kurz und klein schlugen.
1982: Das Viktoria wird gemütlich
1982 wurde das Viktoria rundum erneuert. Die Bestuhlung wurde zugunsten der Beinfreiheit auf rund 100 Sessel verkleinert, der Balkon wich einer Kinobar direkt im Saal. Neue Projektoren mit hellem Xenonlicht ersetzten das flackernde Kohlelicht, der Ton kam ab jetzt in Stereo.
1993 und 2012: Dritte Generation und digitales Kino
Seit 1993 führte Enkelin Brigitte Kreisel die Häuser und brachte sie auf den neuesten Stand der Bild- und Tontechnik. 2012 zog mit tatkräftiger Hilfe ihres Sohnes die digitale Projektion ein, seitdem laufen auch Filme in 3D.
Heute: Mehr als Kino
Heute führt ihr Sohn die beiden Kinos in vierter Generation. Und aus dem Kino ist ein Treffpunkt geworden, der weit mehr kann als Filme zeigen. Am ersten Montag im Monat gestaltet unser Team das Kultkino mit Cocktailbar. Schulklassen, Kitas, Vereine und Firmen haben den Saal für sich allein, Kinder feiern hier Geburtstag – und Erwachsene ihre Party bis tief in die Nacht.
Gut hundert Jahre nach dem „Viktoria-Theater“ gilt, was schon 1920 galt: ein paar Stunden raus aus dem Alltag. Wir freuen uns auf Sie.